Rauchen oder Revolution?

1848Wie die Revolution mit der Freiheit für Raucher ihren Abschluss fand

März 1848 – in Berlin herrscht Revolution. Bei Barrikadenkämpfen sterben mehrere hundert Bürger. Doch die Präsenz der Aufständischen zwingt den preußischen König zum Einlenken. Er zieht seine Truppen ab, und muss vor den Gefallenen erscheinen.

Werner von Siemens, zu diesem Zeitpunkt noch nicht geadelt, also noch mit dem Namen Werner Siemens, arbeitet für das preußische Militär an einer Verbesserung der Telegrafentechnik. Von seinem Büro aus verfolgt er die Vorgänge in Berlin. Als das Volk zusammenströmt, um die königliche Friedensproklamation zu bejubeln, zieht Siemens mit auf den Schlossplatz. Dort wird er Augenzeuge der Ereignisse, die er später so schildert:

Ich fand den ganzen Platz mit einer großen Menschenmenge bedeckt, die ihrer Freude über die Friedensproklamation allseitig lebhaften Ausdruck gab. Doch bald änderte sich die Scene. Es kamen lange Züge an, welche die Gefallenen auf den Schloßplatz brachten, damit, wie man sagte, der König sich selbst überzeugen könnte, welches Unheil seine Soldaten angerichtet hätten. … Dann kamen immer neue Züge mit Todten, und als der König dem Geschrei nach seinem Erscheinen nicht wieder Folge leistete, bereitete sich die begleitende, aufgeregte Menge vor, das Schloßthor zu erbrechen, um dem Könige auch diese Todten zu zeigen.

Es war dies ein kritischer Moment, denn unfehlbar wäre es im Schloßhofe, wo ein Bataillon zurückgehalten war, zu erneutem Kampfe gekommen, dessen Ausgang zweifelhaft erscheinen mußte, da das übrige Militär die Stadt auf königlichen Befehl verlassen hatte. Da kam ein Retter in der Noth in der Person des jungen Fürsten Lichnowsky. Von einem in der Mitte des Schloßplatzes aufgestellten Tische aus redete er die Menge mit lauter, vernehmlicher Stimme an. Er sagte, Sr. Majestät der König habe in seiner großen Güte und Gnade dem Kampfe ein Ende gemacht, indem er alles Militär zurückgezogen und sich ganz dem Schutze der Bürger anvertraut habe. Alle Forderungen seien bewilligt und man möge nun ruhig nach Hause gehen! Die Rede machte offenbar Eindruck. Auf die Frage aus dem Volke, ob auch wirklich Alles bewilligt sei, antwortete er “Ja, Alles, meine Herren”. “Och det Rochen?” – erscholl eine andere Stimme, “Ja, auch das Rauchen” war die Antwort. “Och im Dierjarten?” – wurde weiter gefragt. “Ja, auch im Thiergarten darf geraucht werden, meine Herren”. Das war durchschlagend. “Na, denn können wir ja zu Hause jehn” hieß es überall, und in kurzer Zeit räumte die heiter gestimmte Menge den Platz. Die Geistesgegenwart, mit welcher der junge Fürst – wahrscheinlich auf eigene Verantwortung hin – die Concession des freien Rauchens auf den Straßen der Stadt und im Thiergarten ertheilte, hat vielleicht schweres, weiteres Unheil verhütet.

This entry was posted in Uncategorized. Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.